Samstag, 19. Juli 2014 - Donnerstag, 24. Juli 2014

Die letzten Tage war ich mit Magui, Melani und Abril in „La Quinta“, das bedeutet Ferienhaus und genau auf diesen Namen wurde das Häusschen auch getauft.

Als wir dort angekommen sind, bin ich davon ausgegangen, dort eine Nacht zu bleiben und ich war gottfroh darüber: „La Quinta“ sieht von außen echt süß aus, ein einstöckiges kleines Haus mit Pool außen, war wohl mal weiß gestrichen. Umso mehr hat mich dann der Schlag getroffen,


 als Adriana die Tür aufgestoßen hat. Erstmal kam uns ein modriger, ekliger, schimmliger Geruch entgegen und alles war stockdunkel. Auf dem Boden lag fünf Zentimeter hoher Neuschnee an Staub – ich wusste gar nicht, dass sich so viel Staub ansammeln kann! - und weiter hinten, Richtung Küchenzeile war der Stab durchnässt und sah aus wie alte Taschentücher! Alle Ableitungen der Spülbecken waren undicht, im Wasser kamen kleine braune Brocken mit und man konnte nicht normal Hände waschen, ohne den Eimer darunter ausleeren zu müssen! Das Schlafzimmer bestand dann aus 4 Matratzen, die auf den Boden gelegt waren. Die Wand konnte man kaum berühren, ohne dass Putz herunterbröckelte und die Bettdecken waren voll mit Staub, Dreck und undefinierbarem Schmutz. Ich könnte ewig so weitermachen!

Ich wäre in Deutschland keine Stunde in diesem Haus geblieben!!!

Aber da ich hier ja nicht in Deutschland bin und keine Lust hatte hier später berichten zu müssen, dass ich mich nicht überwinden konnte, auch nur eine billige Nacht in diesem Haus zu verbringen, habe ich es geschafft, bin stolz und muss zugeben, dass es nicht so schlimm wurde wie erwartet!!!

(Der eigentlich ausschlaggebende Punkt war ein Gespräch mit meinem Papa vor ein paar Jahren:
Vorgeschichte:
Als ich sechs Jahre alt war, hat er mir versprochen, mit mir für drei Wochen nach Südafrika zu gehen, sobald ich 16 bin. Ich habe das nie vergessen und mich jedes Jahr gefreut, näher an Südafrika zu sein, auch wenn er wohl froh gewesen wäre, wäre ich mit 16 zu „cool“ dafür und er könnte sich das sparen (Bin ich nicht, Papa, ich wäre immer noch mit dir gegangen.). Hab diese Reise dann aber für den Austausch hierher geopfert.
Zum eigentlich springenden Punkt:
Mein Papa hat mir damals erklärt, dass das aber kein Urlaub wird, wir nicht in schönen Hotels schlafen und es auch sehr chaotisch und abenteuerlich werden kann.
Zu diesem Zeitpunkt fand ich das sehr spannend und trotz der kurzen Angst, womöglich im Schlaf einen Käfer verschlucken zu können, hat es meine Freude nicht gedämpft und ich war bereit, alle Hürden zu nehmen, die sich mir dort in den Weg stellen sollten.
...

Wie sollte ich denn nach diesem Gespräch bei der Quinta einen Rückzieher machen? Das würde ja bedeuten, dass ich es nicht geschafft hätte, in Südafrika mit der Angst, ein Insekt zu verschlucken, reisen könnte!

Jetzt weiß ich, dass ich es geschafft hätte, auch wenn meine Ansprüche immer noch recht hoch sind.)
Am Samstag Abend haben wir im Garten des Ferienhauses gegrillt und um Mitternacht
den „Tag der Freunde“ begrüßt, der hier riesengroß gefeiert wird und natürlich mit den Freunden verbracht werden soll.
„Lauris erster dia de los amigos mit den besten argentinischen Freunden“ haben mir alle gesagt und das fand ich sehr süß.

Nachdem wir dann nachts noch zu einem kleinen Platz gelaufen sind und mit anderen, fremden „Freunden“ weitergefeiert haben, bin ich todmüde ins Bett gefallen, habe mich mit meiner glücklicherweise selbst mitgebrachten Decke zugedeckt und bin eingeschlafen.

Allerdings war es wahnsinnig kalt und ich habe mir in der Nacht noch drei Jacken, Mütze, Schal und wenn ich gehabt hätte, bestimmt auch Handschuhe angezogen und weitergeschlafzittert.

Am nächsten Morgen sind wir erst um halb zwei aufgestanden und nach dem Essen, Hamburger mit Pommes, hat man mir erklärt, dass wir noch eine weitere Nacht bleiben würden.
Darauf hatte ich mich schnell eingestellt, hatte ich doch schon die erste und kälteste Nacht meines Lebens hinter mir! Und die Tage waren ja auch recht schön.

Abends kamen Nacho und ein paar Freunde und wir haben Nudeln gegessen und die ganze Nacht „Hakuna Matata“ aus König der Löwen gesungen. Bis auf die Sprache hat sich unser Gesang kaum unterschieden, die Melodie ist bei der spanischen und deutschen Version komplett gleich.

Adriana hat mir, als sie die Jungs vorbeigebracht hat, auch noch meine kleine mobile Belüftungsheizung mitgebracht, der ich die einzige Steckdose im Schlafzimmer reserviert habe und der ich nicht von der Seite gewichen bin.
Im Laufe der Nacht haben noch ein paar versucht, mir meinen Platz neben meiner heizenden besten Freundin streitig zu machen, aber meine kleine Heizung und ich, wir halten zusammen.

Aufgestanden am Montag sind wir wieder ziemlich spät und die Jungs waren alle weg, sind wohl nachts heimgelaufen. Das weiß ich bis jetzt noch nicht so genau.

Mittags sind dann drei Freunde von Melani gekommen, mit denen wir, wer hätte es erraten, Hamburger mit Pommes gegessen haben.
In der Zwischenzeit hat Magui ihre Eltern angebettelt, doch noch eine Nacht länger bleiben zu dürfen und ich muss ganz ehrlich, zu meiner eigenen Überraschung sagen, dass es mir gleichgültig bis willkommen war. Ich hätte zwar nichts gegen mein gewohntes Bett gehabt, aber eine weitere Nacht würde ich hier auch noch überstehen und es war ja doch recht schön und hier wurde mein Kontakt zu den Mädels immer besser und intensiver.

Die drei Jungs mussten abends gehen, Abril auch, und so blieben nur noch Magui, Melli und Ich die letzte Nacht in der Quinta. Dass es hier, wie sie mir erzählten, im Sommer noch schöner war, weil man dann auch baden konnte und es nicht so kalt war, konnte ich mir schon vorstellen. Wir haben zur Abwechslung Gnocchi gegessen und dazu noch Reste vom Kuchen, den Adriana vorbeigebrach hat und die Churros, die wir am Kiosk geschenkt bekommen haben. Es wurde auch zu dritt ein recht schöner Abend, der allerdings endlich mal nicht so spät geendet hat.

Am Dienstag wurden wir dann wirklich abgeholt, haben das Haus wieder in den Anfangszustand gebracht, uns von Lullo und Floppi, den Hunden, die uns immer zum Kiosk begleitet haben, verabschiedet und sind „nach Hause“ gefahren.

Es war ein schönes Erlebnis, „alleine“ in einem Haus zu wohnen und mal zu schauen, ob wir das auch auf die Reihe kriegen. Es hat alles geklappt, allerdings brauche ich jetzt eine Pause und ein Buch, wogegen meine Gastgeschwister schon wieder bei Freunden sind.
Das ist mir dann doch zu viel geworden und ich habe entschieden, hier weiterzuschreiben und mal mein Zimmer aufzuräumen (was meinen Gastgeschwistern auch mal nicht schaden würde;) )

Bis zum nächsten Mal, ich hoffe, das Internet bleibt jetzt einfach mal präsent.

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